Physiotherapie - Krankengymnastik - Massagen - Fango



1. Krankengymnastik oder Physiotherapie: Was versteht man darunter?


Das griechische Wortteil "Physio" bedeutet übersetzt "natürlich". Die Physiologie ist die Lehre von den normalen körperlichen Lebensvorgängen. Physiotherapie ist somit die gezielte Behandlung gestörter physiologischer Funktionen. Physiotherapie nutzt physiologische Anpassungsmechanismen im Körper, um Wirkung zu erzielen.


Der Begriff "physikalische Therapie" beschreibt die Behandlung mit physikalischen Mitteln, z.B. Massage (mechanische Reize), Wärme und Kälte (thermische Reize), Wasser (Hydrotherapie) oder Strom (Elektrotherapie). Physiotherapie wird im Folgenden als umfassender Oberbegriff verstanden, der der Physikalische Therapie in seinen verschiedenen Anwendungsformen mit einschließt.


Als natürliches Heilverfahren nutzt Physiotherapie die passive (durch äußere Kräfte, z.B. den Therapeuten geführte) und aktive (selbständig ausgeführte) Bewegung des Menschen zur Heilung von Erkrankungen oder zur Vorbeugung von entsprechenden Erkrankungen. Damit ist die Physiotherapie eine Alternative oder sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen und operativen Therapie.


2. Wie wirkt Physiotherapie bzw. Krankengymnastik?


Bewegung ist eine Grundfähigkeit des Lebens. Sie wirkt als Therapie immer über einen ganzheitlichen Ansatz. Auf der Grundlage der ärztlichen Diagnose werden Therapieziele zur Erhaltung, Wiederherstellung und Verbesserung von gestörter Funktion und Leistungsfähigkeit des Gesamtorganismus angestrebt.


Die Untersuchung und Behandlung des Physiotherapeuten orientiert sich grundsätzlich am individuellen Problem des Patienten. Ein Therapieplan bestimmt die Maßnahmen in Abhängigkeit von den in den Heilmittelrichtlinien definierten Therapiezielen.


3. Wann wird die Physiotherapie angewendet?

Physiotherapie findet Anwendung in den Bereichen:

• mit Schulung und Beratung zur Vorbeugung von Krankheiten (Prävention)
• Therapie und Rehabilitation in ambulanten Praxen oder teilstationären und stationären 
  Einrichtungen
• Kurative Medizin in Krankenhäusern und ambulanten Praxen
• um Krankheiten zu erkennen, heilen oder zu lindern, bzw. eine Verschlimmerung zu
  verhüten

Sie dient damit nicht nur der defizitorientierten Behandlung von Erkrankungen, sondern leistet durch medizinische Angebote auch einen Beitrag, um ein möglichst hohes Gesundheitsniveau im Sinne der Prävention zu schaffen.

4. Anwendungsgebiete nach medizinischen Fachbereichen:

Physiotherapie auf dem Gebiet der Traumatologie, Chirurgie und Orthopädie:
Die Erkrankungen der Stütz- und Bewegungsorgane bilden die häufigsten Gründe (Indikationen) zur Anwendung physiotherapeutischer Verfahren.
Wirbelsäulenerkrankungen machen bei 22 Millionen Menschen in Deutschland, die über wiederkehrende Rückenschmerzen klagen, den größten Teil der Verordnungen aus. Rückenschulen haben sich als präventive Schulungsprogramme bewährt, wenn es darum geht, aktiv etwas für einen gesunden Rücken zu tun.

Aus dem Bereich der Unfall-, Gelenk- und Wiederherstellungschirurgie wird Physiotherapie unter anderem bei folgenden Zuständen verordnet:

• Frakturen
• Umstellungsoperationen (Osteotomie)
• Gelenkersatz durch Kunstgelenke (Endoprothesen)
• Gelenkoperationen (z.B. Arthroskopie)
• Bänder- Sehnen- und Muskelrisse
• Amputationen
• Entzündliche Gelenkerkrankungen (z.B. Rheuma)
• Gelenkverschleiß (Arthrose)

Physiotherapie auf dem Gebiet der Neurologie und Pädiatrie:

Erkrankungen im Bereich des Zentralnervensystems (ZNS) einschließlich Gehirn, Rückenmark und peripheren Nerven bilden den Schwerpunkt.

- Erkrankungen des Gehirns können angeboren oder frühkindlich erworben sein (z.B. durch
  ein Geburtstrauma), so dass eine gezielte Förderung der kindlichen Bewegungsentwick-
  lung notwendig wird.
- Im Erwachsenenalter werden Bewegungsstörungen physiotherapeutisch behandelt, wenn
  Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirns (z.B. Schädelhirntrauma, Schlaganfall,
  Parkinson, Multiple Sklerose) oder Rückenmarks (z.B. Querschnittslähmung) oder im
  Bereich des peripheren Nervs (z.B. Lähmungen durch Nervenkompression oder
  Nervenverletzung) auftreten.

Häufig handelt es sich bei diesen Anwendungsgebieten um chronische Erkrankungen, die eine langfristige, bei kontinuierlichem Behandlungsbedarf sogar lebensbegleitende Therapie erforderlich machen. Gerade auf diesem Gebiet umfasst Physiotherapie auch die Alltagsbewältigung unter Einbeziehung der Angehörigen, die Schulung im Gebrauch von Hilfsmitteln und schließlich die Vermittlung von Hilfe zur Selbsthilfe.

Physiotherapie bei Erkrankungen der inneren Organe:

Anwendungsgebiete sind:
• Erkrankungen der Atmungsorgane (z.B. Asthma, Mukoviszidose, nach operativen  
  Thoraxeingriffen)
• Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen (z.B. arterielle und venöse Gefäßerkrankungen,
   Lymphödem)
• Erkrankungen des Magen-Darmtrakts (z.B. Stuhlinkontinenz)
• Erkrankungen der Nieren, Harn- und Geschlechtsorgane (z.B. Harninkontinenz).

4. Hat die Physiotherapie auch Risiken?

Therapie beinhaltet - sofern sie wirksam ist - ein mehr oder minder großes Risiko von Nebenwirkungen. Unter Beachtung der krankheitsabhängigen Gegenanzeigen (Kontraindikationen) und Vorsichtsmaßnahmen sind bei fachgerechter Anwendung die Risiken in der Physiotherapie als sehr gering einzuschätzen.


Quelle: Auszüge aus den Definitionen des Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK), in dem diese Praxis aktives Mitglied ist.